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Schachlegende Judit Polgár lehnt Amt der ungarischen Staatspräsidentin ab
Schachgroßmeisterin Judit Polgár lehnt Magyars Angebot ab, ungarische Staatspräsidentin zu werden, weil sie sich der Aufgabe nicht gewachsen fühle.
Die ungarische Schachgroßmeisterin Judit Polgár hat das Angebot ausgeschlagen, Staatspräsidentin des Landes zu werden. Ministerpräsident Peter Magyar hatte die 49-Jährige am Sonntag als unabhängige und parteilose Kandidatin vorgeschlagen. "Ich spüre nicht genügend Kraft in mir, um die historische Verantwortung zu übernehmen, eine gespaltene Nation zu einigen", schrieb Polgár in sozialen Medien.
Das höchste Staatsamt ist in Ungarn seit Montag vakant. An diesem Tag wurde eine Verfassungsänderung wirksam, die den bisherigen Präsidenten Tamás Sulyok absetzte. Sulyok war ein Vertrauter des früheren Regierungschefs Viktor Orbán und galt nach dem Wahlsieg von Magyars bürgerlicher Tisza-Partei am 12. April als untragbar. Die Amtsgeschäfte führt vorerst Parlamentspräsidentin Ágnes Forsthoffer.
Magyar hatte Polgár als "eine Präsidentin, auf die alle Ungarn stolz sein können" vorgeschlagen und betont, ihre Erfolge beruhten auf Talent statt auf politischen Beziehungen. Polgár war rund ein Vierteljahrhundert lang die Nummer eins im Frauenschach und ist bis heute die einzige Frau, die es in die Top Ten aller Kategorien schaffte. Kritiker bemängelten, ihre Nominierung sei entgegen früheren Zusagen nicht von einer breiten öffentlichen Konsultation begleitet worden. Magyar dankte Polgár und erklärte, man werde auch künftig auf sie zählen.
Das Parlament muss nun binnen 30 Tagen ein neues Staatsoberhaupt wählen. Die Tisza-Partei hatte wiederholt erklärt, sie wolle den Präsidenten künftig direkt vom Volk wählen lassen statt vom Parlament. Ein jetzt gewähltes Staatsoberhaupt könnte deshalb nur übergangsweise amtieren.
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Der Fall zeigt den Zielkonflikt zwischen rascher Handlungsfähigkeit und breiter Legitimität. Die Verfassung verlangt eine Wahl binnen 30 Tagen, eine echte Volksbeteiligung braucht dagegen Zeit. Eine parteilose Kandidatin sollte diesen Widerspruch überbrücken, doch mit Polgárs Absage bleibt beides offen.
Magyars Tisza-Partei hatte die Parlamentswahl am 12. April deutlich gewonnen und damit die lange Ära von Viktor Orbán beendet. Über eine Verfassungsänderung setzte die neue Mehrheit den von Orbán eingesetzten Präsidenten Sulyok ab, wodurch das Amt überhaupt erst frei wurde.
Magyar wirbt seit Langem dafür, den Präsidenten direkt vom Volk wählen zu lassen, wollte das Amt nun aber über das Parlament mit einer parteilosen Kandidatin besetzen. Dass ausgerechnet diese Kandidatin absagt und dabei auf die gespaltene Nation verweist, wirft die Frage auf, wie unabhängig eine solche Wahl mitten im Machtwechsel wirken kann.