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Russischer Raketenangriff auf Getreidefrachter vor Odessa fordert zehn Tote
Russland tötet mit drei Marschflugkörpern zehn Menschen auf dem Getreidefrachter Golden Leo vor Odessa, darunter vier indische Seeleute.
Die Zahl der Todesopfer beim russischen Raketenangriff auf den Getreidefrachter Golden Leo vor Odessa ist auf zehn gestiegen. Russland beschoss das unter der Flagge von Guinea-Bissau fahrende Schiff am Sonntagabend mit drei Marschflugkörpern, als der mit Mais beladene Frachter den Hafen von Odessa bereits verlassen hatte. An Bord waren Seeleute aus Indien und Syrien sowie ein ukrainischer Lotse.
Ausländisch geflaggte Frachter wie die Golden Leo nutzen den letzten verbliebenen Exportkorridor der Ukraine, der entlang der rumänischen und bulgarischen Küste bis in die Türkei führt. Über diesen Seeweg wickelt die Ukraine mehr als zwei Drittel ihrer Agrarexporte ab, deren Wert bei rund neun Milliarden Dollar liegt. Seit dem Ende des Getreideabkommens ist dieser Korridor der wichtigste Seeweg für die ukrainische Landwirtschaft. Zuletzt häuften sich russische Angriffe auf zivile Handelsschiffe in dem Seegebiet.
Nach Angaben der ukrainischen Seehafenbehörde kamen neun Besatzungsmitglieder ums Leben, dazu ein ukrainischer Lotse. Indien erklärte, vier seiner Staatsbürger seien getötet worden, und nannte die Gefährdung von Besatzungen bedauerlich. Acht Seeleute wurden gerettet, zwei von ihnen verletzt. Die ukrainische Marine sprach von einem gezielten Angriff gegen ein unbewaffnetes ziviles Schiff, das keine militärische Bedrohung dargestellt habe. Russland teilte über die Agentur Interfax mit, in derselben Nacht Treibstofflager im Hafen von Odessa getroffen zu haben.
Der Angriff auf die Golden Leo war nach Einschätzung der ukrainischen Behörden der bislang folgenschwerste dieser Art. Allein im Juli starben nach Angaben des Gouverneurs Oleh Kiper 28 Menschen bei russischen Angriffen auf die Region Odessa. Ob weitere Reedereien den Korridor angesichts der zunehmenden Angriffe noch anlaufen, ist offen.
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Jede Antwort auf diese Angriffe kollidiert mit einem gegenläufigen Interesse. Ein militärischer Schutz des Korridors könnte NATO-Staaten in den Krieg ziehen, sein Ausbleiben treibt die Getreidepreise in Ländern, die auf ukrainische Importe angewiesen sind. Zwischen Eskalationsvermeidung und Ernährungssicherheit gibt es keine Lösung ohne Preis.
Nach dem Auslaufen des von der UNO und der Türkei vermittelten Getreideabkommens 2023 baute die Ukraine einen eigenen Seekorridor entlang der Küsten Rumäniens und Bulgariens auf, um ihre Agrarexporte aufrechtzuerhalten. Da das Land zu den weltweit größten Mais- und Weizenexporteuren gehört, wirken sich Angriffe auf zivile Frachter in diesem Gebiet unmittelbar auf die globalen Getreidepreise aus.
Vier der Getöteten waren indische Staatsbürger, ausgerechnet aus einem Land, das seine Beziehungen zu Moskau trotz des Kriegs gepflegt und russisches Öl in großem Umfang gekauft hat. Neu-Delhis Außenministerium nannte den Angriff nun bedauerlich. Ob der Tod eigener Seeleute Indiens zurückhaltende Haltung gegenüber Russland verändert, bleibt eine offene Frage.