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Russischer Raketenangriff auf Getreidefrachter vor Odessa – mindestens fünf Tote
Russland beschießt vor Odessa einen Getreidefrachter mit drei Marschflugkörpern und tötet nach ukrainischen Angaben mindestens fünf Seeleute.
Im Schwarzen Meer nahe Odessa ist ein mit Getreide beladener Frachter unter Beschuss geraten. Nach Angaben der ukrainischen Marine feuerte Russland drei Marschflugkörper auf die „Golden Leo“, als das Schiff das umkämpfte Gebiet verlassen wollte. Mehrere Besatzungsmitglieder kamen ums Leben.
Die Zahlen wurden im Lauf des Tages nach oben korrigiert. Zunächst meldete die Marine fünf Tote und fünf Vermisste, später sprach Infrastrukturminister Mykola Kalaschny von sechs Toten und vier Vermissten. Acht Crew-Mitglieder wurden gerettet, zwei davon verletzt in ein Krankenhaus in Odessa gebracht. Unter den Toten sei auch ein ukrainischer Lotse, erklärte Außenminister Andrij Sybiha. Der Frachter fuhr unter der Flagge von Guinea-Bissau, die Besatzung stammte unter anderem aus Syrien und Indien.
Die Ukraine ordnete den Angriff in ein umkämpftes Seegebiet ein. Die Marine sprach von einem gezielten Angriff auf ein unbewaffnetes ziviles Schiff und von einem Verstoß gegen das internationale Recht. Russland wiederum wirft der Ukraine vor, sich unter dem Deckmantel ziviler Schifffahrt Waffen liefern zu lassen. Warum in der umkämpften Region überhaupt ein ziviler Frachter unterwegs war, blieb zunächst unklar. Kiew selbst bezeichnet die Lage im nordwestlichen Schwarzen Meer als „Seekrieg“.
Der Angriff reiht sich in eine Serie von Schlägen gegen die Hafeninfrastruktur ein. Nach ukrainischen Angaben greift Russland die Region Odessa nahezu täglich an. Die Getreideausfuhr über das Schwarze Meer ist für die ukrainische Wirtschaft und für Abnehmer in Nordafrika und Asien von erheblicher Bedeutung. Ob und wie die Fahrten ziviler Frachter fortgesetzt werden, war nach dem Angriff offen.
Fünf Blickwinkel auf dieselbe Nachricht — tippe dich durch.
Ein Kampfgebiet und eine zivile Handelsroute lassen sich kaum sauber trennen. Beide Seiten erheben unvereinbare Vorwürfe, und offen bleibt, warum ein ziviler Frachter überhaupt im umkämpften Seeraum unterwegs war. Solange Militärlogistik und Getreideexport dieselben Gewässer nutzen, bleibt das Risiko für Zivilisten struktureller Teil des Konflikts.
Über das Schwarze Meer läuft ein Großteil der ukrainischen Getreideexporte, von denen Abnehmer in Nordafrika und Asien abhängen. Angriffe auf Hafeninfrastruktur und Frachter treffen damit nicht nur Kiew, sondern auch die globale Nahrungsmittelversorgung.
Nach dem Ende des von der UNO vermittelten Getreideabkommens organisierte die Ukraine einen eigenen Korridor entlang der Küste. Dass ein Frachter nun beim Verlassen des Gebiets getroffen wurde, wirft die Frage auf, wie belastbar dieser selbst gesicherte Seeweg noch ist.