
Foto: BBC News
Fährunglück vor Guyana: 27 Tote geborgen, 83 Vermisste, Crew festgenommen
Nach dem Kentern der Fähre „MV Barima“ vor Guyana sind 27 Tote geborgen und 83 Menschen vermisst, Kapitän und Crew wurden nach Drogentests festgenommen.
Vor der Küste Guyanas sind nach dem Kentern der Fähre „MV Barima“ 27 Todesopfer geborgen worden. 83 Menschen gelten weiterhin als vermisst, 69 wurden gerettet. Regierungschef Mark Phillips sprach am Montag von einer fortlaufenden Such- und Rettungsaktion.
Der für öffentliche Bauten zuständige Minister Juan Edghill nannte das Unglück die schwerste Seekatastrophe des Landes seit Jahrzehnten. Die Fähre verband die Hauptstadt Georgetown mit dem im Dschungel gelegenen Port Kaituma in der ölreichen Region Essequibo, die keine durchgehende Straßenanbindung besitzt. Gebaut wurde das 40 Meter lange Schiff bereits 1939, seither war es 87 Jahre im Einsatz. In der Nacht zum Sonntag brachte den ersten Ermittlungen zufolge eine große Welle das Boot zum Kentern.
Offiziell waren zunächst 133 Menschen registriert, doch Phillips zeigte sich inzwischen zuversichtlich, dass 179 Personen an Bord waren. Konkret standen 32 der Geretteten auf keiner Passagierliste. Daraufhin nahm die Polizei den Kapitän und mindestens ein Besatzungsmitglied nach positiven Cannabis-Tests in Gewahrsam. „Wir haben null Toleranz für Crew-Mitglieder, die während der Arbeit trinken oder rauchen“, sagte Edghill. Passagiere beklagen seit Jahren, dass an den staatlichen Fährterminals Plätze gegen Bargeld verkauft würden, ohne die tatsächliche Zahl zu erfassen.
Phillips kündigte eine Untersuchung an und stellte Konsequenzen in Aussicht, sollten Fahrlässigkeit oder kriminelles Fehlverhalten nachgewiesen werden. Präsident Irfaan Ali besuchte Überlebende und Angehörige im Krankenhaus. Wie viele Menschen tatsächlich vermisst werden, bleibt wegen der unvollständigen Passagierliste offen.
Fünf Blickwinkel auf dieselbe Nachricht — tippe dich durch.
Zwischen dringendem Transportbedarf und Sicherheitsstandards klafft eine Lücke, die sich nicht per Dekret schließen lässt. Ein strengeres Vorgehen gegen Überladung reduziert sofort die verfügbaren Plätze für eine Region, die auf jede Verbindung angewiesen ist. Wer nur die Crew bestraft, übersieht, dass dieselbe Knappheit die informellen Bargeldgeschäfte überhaupt erst hervorbringt.
Für die abgelegene Region Essequibo im Nordwesten Guyanas ist die Fähre häufig die einzige Verbindung zur Außenwelt, weil durchgehende Straßen fehlen. Das südamerikanische Land erlebt seit den Ölfunden vor seiner Küste einen wirtschaftlichen Aufschwung, doch die Verkehrsinfrastruktur im Landesinneren blieb vielerorts veraltet.
Ziel der Fähre war Port Kaituma in der Region Essequibo — jenem rohstoffreichen Gebiet, das Venezuela seit Jahren für sich beansprucht und das Guyanas Ölreichtum begründet. Dass der Weg dorthin über ein 1939 gebautes Schiff führte, wirft die Frage auf, wie viel vom neuen Wohlstand bislang in der Infrastruktur der Region ankommt.