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Foto: BBC News

Welt·21. Juli 2026

Indische „Kakerlaken“-Bewegung marschiert aufs Parlament – Zusammenstöße mit Polizei

Tausende Anhänger der indischen „Kakerlaken“-Bewegung trotzten einem Demonstrationsverbot und zogen zum Parlament, wobei fast 180 Menschen verletzt wurden.

Tausende junge Inder haben in Neu-Delhi ein Demonstrationsverbot durchbrochen und versucht, zum Parlament zu ziehen. Die Polizei ging mit Tränengas und Schlagstöcken gegen die Menge vor. Nach offiziellen Angaben wurden bei den Zusammenstößen fast 180 Menschen verletzt, darunter 118 Polizisten.

Hinter dem Protest steht die sogenannte „Kakerlaken“-Partei, eine von Jugendlichen getragene Bewegung. Sie entstand vor wenigen Monaten als satirisches Internetphänomen, nachdem der Vorsitzende Richter am Obersten Gerichtshof arbeitslose junge Menschen als Kakerlaken bezeichnet hatte. Aus dem Spott wurde eine der sichtbarsten Protestbewegungen gegen Premierminister Narendra Modi seit Jahren. Zentrale Forderung ist der Rücktritt von Bildungsminister Dharmendra Pradhan.

Auslöser war ein wiederholter, großflächiger Betrug bei den landesweiten Aufnahmeprüfungen für das Medizinstudium. Nach Medienberichten nahmen sich daraufhin zwölf abgewiesene Bewerber das Leben. Pradhan wies die Kritik zurück und bezeichnete Demonstrierende als „Terroristen“. Zusätzlichen Schwung bekam die Bewegung am Wochenende, nachdem die Polizei den bekannten Aktivisten Sonam Wangchuk gewaltsam in ein Krankenhaus gebracht hatte. Einige Demonstranten warfen Steine, andere berichteten von Verletzungen durch die Schlagstockeinsätze.

Der Gründer der Bewegung erklärte, man wolle vorerst keine weiteren Demonstrationen abhalten, um zu verhindern, dass erneut junge Menschen verletzt würden. Ob die Regierung auf die Rücktrittsforderung eingeht, ist offen. Für Modi ist aus dem einstigen Internetwitz eine ernstzunehmende Herausforderung geworden.

Perspektiven

Fünf Blickwinkel auf dieselbe Nachricht — tippe dich durch.

Regierung und Bewegung stecken in einem Dilemma zwischen Autorität und Legitimität. Gibt die Regierung dem Druck der Straße sofort nach, lädt sie zu jeder künftigen Blockade ein; ignoriert sie ihn, wächst die Wut weiter. Prüfungsbetrug und Protestrecht sind beide real, und keine Seite kann den Konflikt allein für sich entscheiden.

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Redaktionelle Einordnung

Indiens landesweite Aufnahmeprüfungen entscheiden über den Zugang von Millionen Bewerbern zu wenigen begehrten Studienplätzen. Wiederkehrende Betrugsvorwürfe treffen deshalb einen der sensibelsten Nerven einer Gesellschaft, in der Bildung als wichtigster Aufstiegsweg gilt.

Um die Ecke gedacht

Der Name der Bewegung geht auf eine Beleidigung zurück, mit der ein hoher Richter arbeitslose Jugendliche bedachte. Dass ausgerechnet dieser Spott zum Sammelbegriff einer Massenbewegung wurde, folgt einem bekannten Muster: Auch die spanische „Indignados“-Bewegung wuchs 2011 aus einem einzelnen abschätzigen Moment. Ob Zufall oder nicht — die Wucht entsteht oft gerade aus dem Versuch, Protest kleinzureden.