
EU-Kommission will Unter-15-Jährige ohne Elternzustimmung von Social Media ausschließen
Die EU-Kommission will Kinder unter 15 nur noch mit Zustimmung der Eltern auf Plattformen wie Instagram, TikTok und YouTube lassen.
Die Europäische Kommission plant, Jugendlichen unter 15 Jahren den Zugang zu sozialen Netzwerken deutlich zu erschweren. Nach einem vertraulichen Dokument, das mehreren Medien vorliegt, sollen Minderjährige ohne Zustimmung der Eltern keine Konten mehr bei Plattformen wie Instagram, TikTok und YouTube anlegen dürfen. Der Gesetzentwurf trägt den Namen EU Kids Act und soll am Donnerstag vorgestellt werden.
Hintergrund ist die wachsende Debatte über den Einfluss von Empfehlungsalgorithmen und suchterzeugendem Design auf Kinder. Bereits zehn Mitgliedstaaten, darunter Deutschland, Österreich, Frankreich und Italien, arbeiten an eigenen nationalen Regeln. Die Kommission will diese Vorstöße auf EU-Ebene harmonisieren. Kommissionspräsidentin von der Leyen will den Entwurf in ihrer Rede zur Lage der Union im Europäischen Parlament ankündigen.
Der Entwurf sieht ein gestuftes System vor. Jugendliche ab 15 Jahren dürften eigene Konten führen, für 13- und 14-Jährige wäre die Einwilligung der Eltern nötig. Zugleich sollen Anbieter ihre Dienste von Grund auf sicher gestalten, auch KI-Chatbots und Videospiele fallen unter die geplanten Auflagen. In Frankreich hatte der Verfassungsrat eine erste nationale Fassung im August gekippt. Präsident Macron legte daraufhin einen überarbeiteten Entwurf vor, den er noch vor seinem Amtsende im Frühjahr verabschiedet sehen will.
Wie die Alterskontrolle technisch umgesetzt und durchgesetzt werden soll, lässt das Dokument offen. Datenschützer und Teile der Tech-Branche dürften die geplante Altersprüfung kritisch begleiten. Am Donnerstag wird sich zeigen, wie weit die Kommission die Plattformen in die Pflicht nehmen will.
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Kinderschutz und Datensparsamkeit geraten hier direkt aneinander. Jede belastbare Alterskontrolle verlangt mehr persönliche Daten, die ihrerseits ein Risiko für Minderjährige darstellen. Zehn nationale Alleingänge zeigen, wie schwer ein einfacher Ausgleich zwischen diesen Zielen zu finden ist.
Wie die Plattformen das Alter der Nutzer zuverlässig prüfen sollen, ohne von allen Ausweisdaten zu verlangen, beantwortet keine der Quellen — an genau dieser Frage war die erste französische Regelung zuvor gescheitert.
Die EU reguliert digitale Plattformen bereits über den Digital Services Act, der Anbieter zu mehr Schutz Minderjähriger verpflichtet. Eine EU-weite Altersgrenze für eigene Konten wäre ein neuer Schritt, der bislang den einzelnen Mitgliedstaaten überlassen war.
Australien hat als erstes Land ein Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige beschlossen, die EU zielt nun mit einer niedrigeren Altersgrenze in dieselbe Richtung. Ob das Vorbild trägt, hängt an der gleichen ungelösten Frage wie dort: einer zuverlässigen Alterskontrolle ohne flächendeckende Ausweispflicht.