Russischer Kriegsgegner Nadeschdin verzichtet auf Kandidatur bei Parlamentswahl
Der russische Kreml-Kritiker Boris Nadeschdin verzichtet auf eine Kandidatur zur Parlamentswahl im September und sieht sich zum Schweigen gebracht.
Der russische Oppositionspolitiker Boris Nadeschdin verzichtet auf eine Kandidatur bei der Parlamentswahl im September. Seine Möglichkeiten, in Russland auf legalem Weg Oppositionspolitik zu betreiben, seien ausgeschöpft, schrieb der 63-Jährige auf Telegram. Er sei „zum Schweigen gebracht“ und „aus der Politik gedrängt“ worden.
Nadeschdin gehört zu den wenigen Politikern in Russland, die Präsident Wladimir Putin und den Krieg gegen die Ukraine offen kritisieren. Bereits bei der Präsidentenwahl 2024 hatte er als Antikriegskandidat antreten wollen, wurde aber nicht zugelassen. Seither hat der Druck der Behörden auf ihn zugenommen.
Am Freitag wurde er wegen eines weiterverbreiteten Videos mit einem Bild des verstorbenen Kreml-Gegners Alexej Nawalny zu einer Geldstrafe verurteilt; der Vorwurf lautete Zurschaustellung „extremistischer Symbole“. Kurz zuvor war er als „ausländischer Agent“ eingestuft und am vergangenen Montag kurzzeitig inhaftiert worden. Antreten wollte Nadeschdin in seinem Heimatwahlkreis Mytischtschi. „Ich bin nicht bereit, all jene in Gefahr zu bringen, die mich unterstützen“, schrieb er zur Begründung seines Rückzugs.
Seit Beginn der Offensive gegen die Ukraine gehen die russischen Behörden mit großer Härte gegen Kritiker vor. Hunderte wurden festgenommen, die meisten Oppositionellen sitzen inzwischen in Haft, leben im Exil oder sind tot. Die Wahl im September findet damit ohne prominente Antikriegsstimmen statt.
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Der Fall verweist auf ein Dilemma zwischen Sichtbarkeit und Sicherheit. Ein Wahlkampf hätte Nadeschdin Aufmerksamkeit gebracht, zugleich aber seine Unterstützer strafrechtlichen Risiken ausgesetzt. Sein Rückzug ist damit weniger Kapitulation als Abwägung zwischen zwei schlechten Optionen.
Nadeschdin hatte bereits 2024 als Antikriegskandidat zur Präsidentenwahl antreten wollen, wurde aber trotz zehntausender Unterstützer nicht zugelassen. Sein Rückzug reiht sich in eine Entwicklung ein, an deren Ende von der einst breiten russischen Opposition kaum noch legale Akteure im Land übrig sind.
Auffällig ist die Taktung: Geldstrafe am Freitag, kurz zuvor die Einstufung als „ausländischer Agent“ und eine kurze Haft, und das wenige Wochen vor der Registrierung zur Wahl. Ob diese Häufung Zufall ist, mag jeder selbst beurteilen.