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Foto: taz

Wirtschaft·14. September 2026

Gericht ordnet Stilllegung des letzten Hochofens im Ex-Ilva-Werk Tarent an

Ein Mailänder Gericht ordnet die Stilllegung des letzten Hochofens im Stahlwerk Ex-Ilva in Tarent bis Ende Oktober an, die Gewerkschaften treten in den Streik.

Ein Gericht in Mailand hat die Stilllegung des letzten Hochofens im Stahlwerk Ex-Ilva in Tarent angeordnet. Bis spätestens zum 28. Oktober muss der gesamte Warmbereich der größten Stahlhütte Italiens den Betrieb einstellen. Nur das Kaltwalzwerk dürfte weiterlaufen.

Das Werk ging 1964 als Teil des Staatskonzerns Italsider in Betrieb und wurde 1995 an die Familie Riva privatisiert. 2012 kamen die Eigentümer wegen schwerer Umweltverbrechen vor Gericht, seither steht der Betrieb unter staatlicher Verwaltung. Auch die Übernahme durch ArcelorMittal 2018 brachte keine Wende. Über Jahrzehnte belastete die Anlage die Stadt und den direkt angrenzenden Stadtteil Tamburi.

Das Gericht stellte das „Recht der Bürger auf Gesundheit" über das „Recht auf unternehmerische Aktivität". In den Hochöfen seien weiterhin 2.600 Tonnen Asbest verbaut, zudem liege der Feinstaubausstoß zu hoch. In Tarent liegt die Zahl der Lungenkrebstoten um 33 Prozent über dem nationalen Durchschnitt, die Zahl der durch Asbest verursachten Mesotheliomfälle erreicht das Vierfache. Fünf Jahre lang hatte eine Elterninitiative auf diese Entscheidung hingewirkt.

Die Gewerkschaften Fim, Fiom, Uilm und Usb riefen daraufhin zu einem 24-stündigen Streik auf und blockierten Straßen rund um das Werk. Sie sprechen von einer „sozialen Bombe" mit Folgen für Tausende Arbeitsplätze. Ob die Regierung Meloni noch einen Rettungsversuch startet, ist offen.

Perspektiven

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Hier kollidieren zwei Grundrechte, die beide legitim sind. Das Gericht musste zwischen dem Recht auf Gesundheit und dem Recht auf Arbeit entscheiden, und jede Antwort erzeugt neue Verwerfungen. Wer die Hütte schließt, rettet Lungen und gefährdet Existenzen; wer sie offen hält, tut das Umgekehrte.

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Was fehlt

Konkrete Zahlen zu den betroffenen Arbeitsplätzen und ein Plan für die Beschäftigten nach der Stilllegung fehlen in den Quellen. Ohne sie bleibt das Ausmaß der sozialen Folgen unklar.

Redaktionelle Einordnung

Das Werk in Tarent ist die größte Stahlhütte Italiens und seit Jahrzehnten Sinnbild des Konflikts zwischen Industriearbeitsplätzen und Gesundheitsschutz in Süditalien. An ihm hängt ein erheblicher Teil der Wirtschaft einer ohnehin strukturschwachen Region.

Um die Ecke gedacht

Seit der Enteignung 2012 verwaltete der italienische Staat das Werk, doch weder unter staatlicher Regie noch unter ArcelorMittal gelang der Umbau zu sauberer Produktion. Dass am Ende ein Gericht entscheidet, wo die Politik über Jahre keine Lösung fand, ist die eigentliche Pointe.