Kanada strebt unter Carney engere Allianz mit der EU an
Kanadas Premier Carney kündigt Gespräche über eine einzigartige Allianz mit der EU an, während der Handelsstreit mit den USA eskaliert.
Kanada strebt eine deutlich engere Bindung an die Europäische Union an. Premierminister Mark Carney sagte am Sonntag in Toronto, sein Land wolle keine EU-Mitgliedschaft, aber eine „einzigartige Allianz“. Hintergrund ist der eskalierende Handelsstreit mit den USA.
Kanada wickelt bislang den größten Teil seines Außenhandels mit den Vereinigten Staaten ab. Die Zölle der Regierung von Präsident Donald Trump haben Ottawa dazu bewegt, nach Alternativen zu suchen. „Wir teilen dieselben Werte, wir haben dieselben Prioritäten und sehr komplementäre Stärken“, sagte Carney mit Blick auf die EU.
Das „Wall Street Journal“ berichtete von Gesprächen über eine mögliche assoziierte Mitgliedschaft. Geprüft werde demnach eine engere Anbindung an den Binnenmarkt in den Bereichen Energie, Künstliche Intelligenz, Verteidigung und kritische Mineralien. Einen solchen Status gibt es bislang nicht. Bundeskanzler Friedrich Merz hatte im Mai ein ähnliches Modell für die Ukraine vorgeschlagen, mit einem Sitz bei Gipfeln ohne Stimmrecht und Zugang zu EU-Programmen.
Carney reist in dieser Woche nach Europa und will vor dem Europäischen Parlament in Strasbourg sprechen. Ob die EU-Staaten zu einem solchen Sonderverhältnis bereit sind, ist offen.
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Eine engere EU-Bindung löst ein Problem und schafft ein neues. Kanada verringert die Abhängigkeit von den USA, bindet sich aber an einen Block mit eigenen Regeln und langsamen Entscheidungswegen. Der Status der assoziierten Mitgliedschaft existiert nicht, und was er konkret bedeutet, müsste erst mühsam ausgehandelt werden.
Eine Reaktion aus Brüssel oder von einzelnen EU-Staaten fehlt bislang. Ebenso bleibt offen, welche konkreten Rechte und Pflichten eine assoziierte Anbindung Kanadas mit sich bringen würde.
Kanada wickelt rund drei Viertel seiner Ausfuhren mit den USA ab und ist damit stark von einem einzigen Absatzmarkt abhängig. Die US-Zölle unter Präsident Trump haben Ottawa dazu gebracht, die EU als zweitgrößten Handelspartner enger einzubinden.
Die assoziierte Mitgliedschaft, die Carney anstrebt, existiert in der EU formal nicht. Bundeskanzler Merz hatte genau dieses Modell im Mai für die Ukraine vorgeschlagen, mit einem Sitz bei Gipfeln ohne Stimmrecht und Zugang zu EU-Fonds. Kanada könnte damit zum Testfall für einen Status werden, der ursprünglich für ein Kriegsland ersonnen wurde.