Almost
Neutral News
© 2026 Almost Neutral News
Archiv·Impressum·Datenschutz
Zurück
Kultur·21. Juli 2026

ZDF-Intendant verteidigt Danger-Dan-Ausladung und räumt Fehler ein

ZDF-Intendant Himmler verteidigt die Ausladung des Rappers Danger Dan aus der Anstalt, räumt beim Ablauf aber Fehler ein.

Der ZDF-Intendant Norbert Himmler hat die Ausladung des Rappers Danger Dan aus der Satiresendung "Die Anstalt" verteidigt. Zugleich räumte er Fehler im Entscheidungsprozess ein. "Die Kurzfristigkeit der Ausladung müssen wir uns vorwerfen lassen", sagte Himmler der "Süddeutschen Zeitung".

Danger Dan sollte mit dem Pianisten Igor Levit sein Lied "Keine Angst" bei der 100. Ausgabe der Sendung vortragen. Die Jubiläumsfolge beschäftigt sich mit Radikalisierung und der Wehrhaftigkeit der Demokratie. Kurz vor der Aufzeichnung strich das ZDF den Auftritt, weil der Text als Aufruf zu Gewalt verstanden werden könne.

Inhaltlich steht Himmler zu der Entscheidung. Im Liedtext sieht er "eine Gebrauchsanweisung zum linken, gewaltbereiten Widerstand". Den Vorwurf, vor rechten Kräften einzuknicken, wies er zurück. Danger Dan sprach auf Instagram von einem Eingriff in die Meinungs- und Kunstfreiheit und betonte, er verabscheue Gewalt. Die Moderatoren der "Anstalt" nannten die Absage in der ausgestrahlten Folge mutlos.

Danger Dan und Levit geben am Abend ein Ersatzkonzert im Berliner Columbia Theater. Der Auftritt "Die keine Angstalt" wird bei YouTube übertragen, der Erlös geht an den Verein Opferperspektive. Die Jubiläumssendung läuft am selben Abend im Fernsehen.

Perspektiven

Fünf Blickwinkel auf dieselbe Nachricht — tippe dich durch.

Zwischen Kunstfreiheit und der Verantwortung eines Senders liegt ein realer Zielkonflikt. Ein Liedtext, den die einen als Kunst und die anderen als Gewaltaufruf lesen, lässt sich nicht eindeutig auflösen. Wer eine Seite absolut setzt, übersieht das berechtigte Anliegen der anderen.

· · ·
Redaktionelle Einordnung

Danger Dan wurde 2021 mit dem Lied "Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt" bekannt, das die Grenzen der Kunstfreiheit ironisch auslotete. Die aktuelle Debatte dreht sich erneut um diese Frage, diesmal ausgelöst durch den öffentlich-rechtlichen Sender selbst.

Um die Ecke gedacht

Die 100. "Anstalt" widmet sich der Wehrhaftigkeit der Demokratie und der Radikalisierung, ausgerechnet in dieser Folge fällt ein Beitrag über antifaschistischen Widerstand der Vorsicht zum Opfer. Die Moderatoren nannten die eigene Sender-Entscheidung mutlos. Ob eine Sendung über Meinungsstärke die Debatte über ihre eigenen Grenzen hätte besser führen können?