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Foto: NZZ

Welt·20. Juli 2026

Japans Parlament reformiert Kaiserhausgesetz – weiterhin keine Thronfolgerin

Japans Parlament ändert erstmals seit 1947 das Kaiserhausgesetz, lässt aber weiterhin keine Frau auf den Thron und setzt stattdessen auf Adoptionen.

Japans Parlament hat das Kaiserhausgesetz geändert. Es ist der erste Eingriff in das Regelwerk seit 1947. Erklärtes Ziel ist es, den Fortbestand der ältesten Erbmonarchie der Welt zu sichern.

Über die Frage einer Thronfolgerin wird in Japan seit mehr als zwanzig Jahren gestritten. Die Dynastie geht der Überlieferung nach auf den mythischen Kaiser Jimmu aus dem siebten Jahrhundert vor Christus zurück und kennt bis heute keine regierende Kaiserin nach modernem Recht. Die Zahl thronfolgeberechtigter Männer ist über die Jahrzehnte stark geschrumpft. Genau diese Lücke sollte die Reform schließen.

Konkret erlaubt das neue Gesetz, unverheiratete männliche Nachkommen aus früheren Kaiserfamilien per Adoption in das Kaiserhaus aufzunehmen. Zugleich dürfen Frauen nach einer Heirat künftig Mitglied der Kaiserfamilie bleiben und müssen nicht mehr in den bürgerlichen Stand wechseln. Eine weibliche Thronfolge beschloss das Parlament jedoch nicht. Damit bleibt die beliebte Prinzessin Aiko ausgeschlossen, während der 66-jährige Kaiser Naruhito nur noch drei männliche Nachfolger hat, darunter den 19-jährigen Prinzen Hisahito.

Ob die Adoptionslösung die Nachfolge langfristig sichert, bleibt offen. Sie verschiebt die Entscheidung über eine mögliche Kaiserin auf spätere Jahre. Für den Moment hängt der Fortbestand der Dynastie weiter an einem einzigen jungen Mann.

Perspektiven

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Der Konflikt ist kein simpler Streit zwischen Fortschritt und Rückschritt, sondern eine Kollision zweier legitimer Ziele. Die Monarchie soll Kontinuität verkörpern und zugleich gesellschaftlich anschlussfähig bleiben. Jede Änderung an einer 1500 Jahre alten Erzählung berührt die symbolische Rolle des Kaisers, die in der Verfassung von 1947 bewusst entpolitisiert wurde.

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Redaktionelle Einordnung

Japans Verfassung von 1947 machte den Kaiser zum reinen Symbol des Staates ohne politische Macht, während das Kaiserhausgesetz die Thronfolge auf die männliche Linie beschränkte. Umfragen zeigen seit Jahren eine Mehrheit der Bevölkerung, die auch eine regierende Kaiserin akzeptieren würde.

Um die Ecke gedacht

Prinzessin Aiko gilt in Umfragen als populär, und eine Mehrheit der Japanerinnen und Japaner würde eine Kaiserin akzeptieren. Trotzdem umgeht die Reform genau diese Frage und setzt auf Adoptionen aus alten Adelsfamilien, die 1947 selbst aus dem Kaiserhaus entfernt worden waren. Reform der Nachfolge oder Rückgriff auf die Vergangenheit?