
Foto: BBC News
Tate-Brüder erscheinen in Miami vor Gericht - Kampf gegen Auslieferung nach Großbritannien
Andrew und Tristan Tate erscheinen in Miami vor Gericht und wehren sich gegen ihre Auslieferung nach Großbritannien, wo ihnen 38 neue Anklagepunkte drohen.
Andrew Tate und sein Bruder Tristan sind am Montag in einem Bundesgericht in Miami erschienen. Damit begann das Verfahren über ihre mögliche Auslieferung nach Großbritannien. In Handschellen und Fußfesseln bestätigten die beiden lediglich, ihre Rechte verstanden zu haben.
Auslöser ist eine Anklage der britischen Staatsanwaltschaft CPS, die am Wochenende 38 neue Vorwürfe erhob. Darunter fallen Vergewaltigung und Menschenhandel zum Zweck sexueller Ausbeutung. Die Behörden sprechen inzwischen von sieben mutmaßlichen Opfern, womit die Gesamtzahl der Anklagepunkte gegen die Brüder auf 59 stieg. Festgenommen wurden die Tates am Samstag in Florida, unweit eines Veranstaltungsorts, an dem Andrew Tate eine Bare-Knuckle-Boxveranstaltung mitmoderieren sollte.
Nach Gerichtsakten werden Andrew Tate sieben Fälle von Vergewaltigung, drei Fälle von Sexhandel und weitere Delikte vorgeworfen, seinem Bruder unter anderem zwei Vergewaltigungen und drei Fälle von Menschenhandel. Die mutmaßlichen Taten sollen sich zwischen Juli 2010 und August 2017 ereignet haben. Beide bestreiten sämtliche Vorwürfe. Ihr Anwalt Joe McBride nannte das Verfahren eine politische Entführung und verglich es mit den Ermittlungen gegen US-Präsident Donald Trump. Seine Mandanten seien unschuldig, das Verfahren werde rund 60 Tage dauern.
Der nächste Gerichtstermin ist für den 27. Juli angesetzt. Über die Auslieferung entscheidet letztlich die Regierung Trump. Parallel laufen gegen die Brüder ein Strafverfahren in Rumänien sowie eine Zivilklage in den USA.
Fünf Blickwinkel auf dieselbe Nachricht — tippe dich durch.
Der Fall verläuft entlang eines echten Zielkonflikts zwischen Unschuldsvermutung und Opferschutz. Drei Rechtsräume greifen ineinander, denn die Brüder werden zugleich in Großbritannien, Rumänien und den USA verfolgt, und die endgültige Auslieferung hängt von einer politischen Entscheidung ab. Einfache Antworten scheitern an diesem Geflecht aus doppelter Staatsbürgerschaft und konkurrierenden Zuständigkeiten.
Andrew Tate, ein ehemaliger Kickboxer, erreichte mit frauenverachtenden Aussagen in sozialen Netzwerken Millionen junger Männer und wurde zu einer Leitfigur der sogenannten Manosphere. Neben dem britischen Verfahren laufen gegen die Brüder auch in Rumänien Ermittlungen wegen Menschenhandels, weshalb sie sich weiterhin regelmäßig bei den dortigen Behörden melden müssen.
Ausgerechnet die Auslieferung, gegen die sich die Tates wehren, muss am Ende die Regierung Trump genehmigen. Passend dazu vergleicht ihr Anwalt die Vorwürfe mit den Ermittlungen gegen Trump selbst und spricht von einer Hexenjagd. Ob diese Nähe zur Trump-Rhetorik dem Verfahren hilft oder schadet, wird sich zeigen.