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Hamas ernennt Khalil al-Haya zum neuen Anführer
Die Hamas wählt Khalil al-Haya mit 35 zu 34 Stimmen zu ihrem neuen Anführer und setzt damit die Iran-nahe Linie ihres getöteten Vorgängers Sinwar fort.
Die Hamas hat Khalil al-Haya zu ihrem neuen Anführer gewählt. Der 65-Jährige übernimmt das Politbüro der Organisation, fast zwei Jahre nachdem die israelische Armee seinen Vorgänger Yahya Sinwar in Gaza getötet hatte. Al-Haya ist zugleich Chefunterhändler der Hamas bei den Verhandlungen über die brüchige Waffenruhe.
Die Wahl beendet eine Übergangsphase, in der ein fünfköpfiges Gremium die Organisation seit Oktober 2024 geführt hatte. Sie ist zugleich eine Richtungsentscheidung. Gegenkandidat Khaled Mashal lebt seit Jahren im Exil und vertrat gegenüber Teheran eine unabhängigere Linie mit engen Verbindungen nach Katar und in die Türkei. Al-Haya steht wie zuvor Sinwar für die Fraktion, die ihr Bündnis mit Iran ausgebaut hat.
Nach Angaben des Senders Al-Arabi fiel die Entscheidung mit 35 zu 34 Stimmen denkbar knapp aus. Gewählt wurde al-Haya vom Shura-Rat, dem obersten Beratungsgremium; selbst inhaftierte Mitglieder in israelischen Gefängnissen gaben ihre Stimme ab, übermittelt über Anwälte oder Schmuggeltelefone. Al-Haya überlebte im September 2025 einen israelischen Luftangriff auf eine Führungssitzung in Doha, bei dem fünf rangniedrigere Mitglieder starben, darunter einer seiner Söhne. Drei weitere Söhne kamen bei früheren israelischen Angriffen ums Leben.
Al-Haya tritt keine volle vierjährige Amtszeit an, sondern führt die laufende Periode bis zu regulären Neuwahlen 2027. Grundlegende Änderungen der politischen oder militärischen Ausrichtung gelten als unwahrscheinlich. Wie sich der Wechsel auf die stockenden Verhandlungen über eine dauerhafte Waffenruhe auswirkt, ist offen.
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Ein Führungswechsel bei der Hamas verändert weniger, als die Schlagzeile vermuten lässt. Al-Haya steht für dieselbe Iran-nahe Linie wie sein getöteter Vorgänger, während der unterlegene Mashal engere Bindungen an Katar und die Türkei pflegte; die Wahl verschiebt also regionale Gewichte, ohne die Grundausrichtung zu ändern. Wer schnelle Effekte auf die Verhandlungen erwartet, unterschätzt dieses Beharrungsvermögen.
Khalil al-Haya leitete als Chefunterhändler bereits die indirekten Waffenstillstandsgespräche in Ägypten und Katar; seine Wahl bedeutet, dass an der Verhandlungsspitze der Hamas personelle Kontinuität herrscht. Die Organisation wird seit dem Angriff vom 7. Oktober 2023 von den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.
Israel tötete al-Hayas Vorgänger und vier seiner Söhne bei gezielten Angriffen. Nun sitzt derselbe Mann an der Spitze jener Organisation, mit der Israel über eine dauerhafte Waffenruhe verhandeln muss. Ob sich persönliche Verluste und diplomatische Rolle voneinander trennen lassen, wird die kommenden Gespräche prägen.