Cyberangriff legt Rumäniens Grundbuchdatenbank lahm und stoppt Immobilienmarkt
Ein Cyberkrimineller löscht nach einer gescheiterten Erpressung die gesamte Grundbuchdatenbank Rumäniens und bringt den Immobilienmarkt zum Stillstand.
Ein Cyberkrimineller hat nach einem gescheiterten Erpressungsversuch die gesamte Grundbuchdatenbank Rumäniens gelöscht. Betroffen ist die Nationale Agentur für Kataster und Immobilienwerbung ANCPI, die das zentrale Register des Landes führt. Seither steht der rumänische Immobilienmarkt still.
Das Kataster ist die rechtliche Grundlage jeder Immobilientransaktion, weil es Eigentum, Hypotheken und Lasten nachweist. Der Angreifer verschaffte sich laut dem Onlineportal Risky Business zunächst mit gültigen Zugangsdaten Zutritt und erkundete die internen Systeme. Nachdem die Behörde nicht auf die Erpressung einging, löschte er nach eigenen Angaben alle Systeme samt Backups. Zunächst sprach das Katasteramt von technischen Problemen, räumte dann aber den Cyberangriff ein.
Öffentlich wurde der Vorfall am 14. Juli. Einen Tag später tauchten erste erbeutete ANCPI-Daten in einem Internetforum zum Verkauf auf, darunter Zugangsdaten von Mitarbeitern und Details zum IT-Netzwerk. Notare können derzeit keine Transaktionen beurkunden, und Bürger erhalten weder Eigentumsnachweise noch Grundbuchauszüge. Die Behörde erklärte, sie verfüge entgegen kursierenden Informationen über mehrere Sicherungskopien. „Derzeit befindet sich die IT-Infrastruktur der ANCPI in einem umfassenden Prozess der Neuinstallation und Konsolidierung“, teilte sie mit.
Anders als bei üblichen Ransomware-Angriffen zielte der Täter nicht auf ein Lösegeld für die Freigabe, sondern auf die Zerstörung der Daten. Eine Cybersicherheitsfirma führt die Attacke auf einen Account namens „ByteToBreach“ zurück. Wann die Dienste wieder vollständig laufen und ob sich alle Datensätze rekonstruieren lassen, ist offen.
Fünf Blickwinkel auf dieselbe Nachricht — tippe dich durch.
Zentralisierung schafft Effizienz und ein einziges Ausfallrisiko zugleich. Ein landesweites Register spart Kosten und Wege, bündelt aber alle Abhängigkeiten in einer Datenbank, deren Zerstörung sofort den ganzen Markt lähmt. Die eigentliche Frage ist nicht digital oder analog, sondern wie man Effizienzgewinne absichert, ohne neue Verwundbarkeiten zu erzeugen.
Das Grundbuch ist die rechtliche Grundlage jeder Immobilientransaktion, weil es Eigentum, Hypotheken und Lasten verbindlich nachweist. Fällt dieses zentrale Register aus, lässt sich Eigentum weder übertragen noch zweifelsfrei belegen, und der Immobilien- und Kreditmarkt eines ganzen Landes kommt zum Erliegen.
Der Angreifer nutzte gültige Zugangsdaten, keine ausgefeilte Sicherheitslücke. Die eigentliche Katastrophe war, dass laut den Berichten auch die Backups gelöscht oder manipuliert wurden, ein Punkt, den die Behörde zunächst bestritt. Ob Redundanz auf dem Papier und Redundanz im Ernstfall dasselbe sind, zeigt sich nun bei der Wiederherstellung.