Wieder heftige Kämpfe im Jemen – Huthi melden Angriff auf saudischen Stützpunkt Scharura
Nach neuen Gefechten zwischen der jemenitischen Regierung und den Huthi melden die Aufständischen einen Drohnenangriff auf den saudischen Stützpunkt Scharura.
Die mit dem Iran verbündeten Huthi haben nach eigenen Angaben den Militärstützpunkt Scharura im Süden Saudi-Arabiens mit Drohnen und Raketen angegriffen. Der Angriff habe Waffenlager sowie Kommando- und Kontrollzentren getroffen, schrieb Huthi-Militärsprecher Yahya Saree auf der Plattform X. Ein genaues Datum der Operation nannte er nicht.
Der jemenitische Bürgerkrieg begann 2014 mit der Einnahme der Hauptstadt Sanaa durch die Huthi und ruhte seit einer Waffenruhe von 2022 weitgehend. Im Juli flammten die Kämpfe wieder auf. Saudi-Arabien griff 2015 aufseiten der international anerkannten Regierung in den Krieg ein und stützt weiterhin die Administration in Aden. In den vergangenen Tagen nahmen die Gefechte zwischen den Huthi und den von Riad unterstützten Regierungstruppen erneut zu.
Am Samstag erklärten die Regierungstruppen, sie hätten Huthi-Kämpfer in der Hafenstadt Mokha am Roten Meer angegriffen und mit drei Luftangriffen Stellungen in der Region Taiz getroffen. Die Huthi wiederum sprachen von 129 saudischen Luftangriffen binnen 48 Stunden auf von ihnen kontrollierte Gebiete. Nach Angaben saudischer Behörden schlug in der Nacht zum Samstag ein Huthi-Geschoss nahe der Grenze ein und verletzte zwei Menschen. Laut dem US-Portal Axios bat Kronprinz Mohammed bin Salman US-Präsident Donald Trump zweimal um amerikanische Angriffe auf die Huthi, doch Trump lehnte ab. Eine wochenlange Huthi-Offensive hatte zuvor den restlichen Küstenstreifen am Roten Meer sowie mehrere Inseln unter ihre Kontrolle gebracht.
Mit dem Vorstoß festigen die Huthi ihren Griff auf die Meerenge Bab al-Mandab am Südeingang des Roten Meeres. Diese Route ist für saudische Ölexporte wichtiger geworden, seit der Iran zu Kriegsbeginn den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus weitgehend unterband. Die Huthi haben inzwischen eine eigene Seeblockade gegen die Rote-Meer-Häfen Riads verkündet. Wie viele Zivilisten durch die jüngsten Kämpfe erneut fliehen mussten, blieb offen.
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Jede Option in diesem Konflikt kollidiert mit einer anderen legitimen Notwendigkeit. Die Meerenge Bab al-Mandab offenzuhalten dient dem Welthandel, doch militärischer Druck verschärft die humanitäre Lage und bindet Saudi-Arabien tiefer in einen Krieg, den es 2022 einzufrieren versucht hatte. Dass MBS Washington zweimal erfolglos um Angriffe bat, zeigt, wie schmal der Handlungsspielraum geworden ist.
Alle Angaben zu Angriffen und Opfern stammen von den Kriegsparteien selbst, also vom Huthi-Sprecher, vom jemenitischen Militär und der Regierungsagentur Saba; eine unabhängige Bestätigung fehlt. Wie viele Zivilisten die jüngsten Kämpfe konkret vertrieben haben, nennt keine der Quellen.
Die Meerenge Bab al-Mandab verbindet das Rote Meer mit dem Golf von Aden und ist eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt; wer sie kontrolliert, kann einen großen Teil des Öl- und Warenverkehrs zwischen Asien und Europa beeinflussen.
Saudi-Arabien hat derzeit zwei Ausweichwege für sein Öl, und beide stehen gleichzeitig unter Druck. Seit der Iran die Straße von Hormus blockiert, läuft der Export über das Rote Meer, dessen Zugang die Huthi nun kontrollieren. Der zweite Weg, die West-Ost-Pipeline, wurde erst vor wenigen Tagen nach einem Drohnenangriff vorsorglich abgeschaltet.