
Iranisches Frachtschiff in der Straße von Hormus angegriffen
Ein iranisches Frachtschiff wird in der Straße von Hormus getroffen, ein Besatzungsmitglied stirbt und Teheran macht einen unbekannten Feind verantwortlich.
Vor der iranischen Insel Qeshm in der Straße von Hormus ist am Sonntag ein iranisches Frachtschiff getroffen worden. Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Irna starb ein Besatzungsmitglied, vier weitere wurden verletzt. Der Gouverneur der Provinz sprach von einem Angriff durch einen terroristischen Feind.
Die Straße von Hormus ist zum zentralen Streitpunkt im Konflikt zwischen den USA und Iran geworden. Zuvor war die Meerenge für den Schiffsverkehr weitgehend offen. Zuletzt hatte Iran den Verkehr mit Drohungen und Angriffen auf Schiffe eingeschränkt. Die britische Behörde UKMTO hatte bereits in der Nacht von einem Angriff auf ein Schiff in der Region berichtet, zunächst ohne Bestätigung, ob es sich um denselben Vorfall handelte.
Qeshm liegt rund 22 Kilometer vor der Hafenstadt Bandar Abbas und ist für Irans Kontrolle über die Meerenge von zentraler Bedeutung. Durch die Passage laufen ein erheblicher Teil der Öl-, Flüssiggas- und Düngerexporte der Golfstaaten. Das US-Militär hat während seiner Blockade wiederholt Schiffe unter iranischer Flagge angegriffen und sieht sich nach eigenen Angaben iranischen Raketen auf seine Kriegsschiffe gegenüber. Wenige Stunden vor dem Angriff hatte sich Präsident Massud Peseschkian trotzig gezeigt. Sein Volk lasse sich nicht einschüchtern, Iran werde nicht kapitulieren, schrieb er in den sozialen Medien.
Der Vorfall ereignete sich einen Tag vor einem geplanten Treffen zwischen Iran und den Golfstaaten in Oman, das anschließend verschoben wurde. Wer für den Angriff verantwortlich ist, blieb offen. Solange eine unabhängige Bestätigung fehlt, stützen sich die Angaben zu Opfern und Hergang allein auf iranische Staatsmedien.
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Jede Reaktion in Hormus ist ein Dilemma zwischen Abschreckung und Eskalation. Wer nicht antwortet, lädt zu weiteren Angriffen ein; wer hart zurückschlägt, riskiert den offenen Krieg an der wichtigsten Ölroute der Welt. Dass der Angriff ausgerechnet vor dem Treffen in Oman fiel, macht die Kalkulation noch verworrener.
Eine unabhängige Bestätigung des Angriffs fehlt. Die Angaben zu Toten, Verletzten und Hergang stammen ausschließlich von iranischen Staatsmedien, und das US-Militär äußerte sich zunächst nicht.
Die Straße von Hormus ist eine der wichtigsten Öltransportrouten weltweit. Rund ein Fünftel des global gehandelten Öls passiert die Meerenge, weshalb jede militärische Eskalation dort unmittelbar die weltweite Energieversorgung berührt.
Auffällig ist die Doppelbelastung zweier Nadelöhre zugleich. In derselben Woche brachten die vom Iran unterstützten Huthi mit der Insel Mayyun einen Kontrollpunkt an der Meerenge Bab al-Mandab unter ihre Gewalt, der wichtigsten Ausweichroute zur Straße von Hormus. Ob die zeitliche Nähe Zufall ist, lässt sich nicht belegen.