Stripe und Advent bieten 53 Milliarden Dollar für PayPal – Vorstand lehnt ab
Stripe und der Finanzinvestor Advent bieten 53 Milliarden Dollar für PayPal, doch der Vorstand hält das Angebot für unzureichend.
Der Zahlungsdienstleister PayPal ist ins Visier einer milliardenschweren Übernahme geraten. Der Konkurrent Stripe und der Finanzinvestor Advent haben nach Informationen von Reuters ein Angebot über 53 Milliarden US-Dollar vorgelegt. Der PayPal-Vorstand hält diese Offerte nach erster Prüfung für unzureichend.
Die Übernahmepläne treffen ein Unternehmen im tiefen Umbruch. Vor fünf Jahren war eine PayPal-Aktie noch rund 300 Dollar wert, der Börsenwert lag bei etwa 360 Milliarden Dollar. Seither verlor der Dienst Marktanteile an Apple Pay und Google Pay und modernisierte seine Technik nicht im gleichen Tempo wie die Rivalen. Der Marktwert fiel zwischenzeitlich auf rund 40 Milliarden Dollar.
Stripe und Advent bieten 60,50 Dollar je Aktie und damit deutlich mehr als den zuletzt gezahlten Kurs. Im Juni notierte das Papier noch bei 41 Dollar, kletterte bis Anfang der vergangenen Woche auf rund 48 Dollar und sprang nach Bekanntwerden des Angebots auf fast 57 Dollar. Der Vorstand verweist dennoch auf den Sanierungsplan des im Februar berufenen neuen Vorstandschefs, der PayPal über Umstrukturierung und Sparmaßnahmen zurück zu Wachstum führen soll. Zugleich prüft das Gremium, ob Stripe und Advent die Übernahme überhaupt finanzieren können.
Entscheidend wird nun der für Ende des Monats angekündigte Quartalsbericht, der erste Belege für den Umbau liefern könnte. Auch die Aufsichtsbehörden dürften eine Fusion zweier großer Zahlungsdienstleister eingehend prüfen. Offiziell hat sich PayPal bislang nicht geäußert.
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Der Kern ist ein Bewertungsstreit unter Unsicherheit, kein einfaches Ja oder Nein. 60,50 Dollar liegen über dem aktuellen Kurs, aber weit unter den einstigen 300 Dollar; ob PayPal aus eigener Kraft dorthin zurückfindet, weiß niemand. Der Quartalsbericht Ende des Monats verschiebt die Abwägung womöglich in beide Richtungen.
PayPal ging 2015 als eigenständiges Unternehmen aus eBay hervor und war jahrelang der dominierende Anbieter für Online-Zahlungen. Der Absturz von rund 360 auf zeitweise 40 Milliarden Dollar Börsenwert zeigt, wie schnell etablierte Fintechs unter Druck von Apple Pay, Google Pay und spezialisierten Abwicklern wie Stripe geraten.
Stripe galt lange als der agile Herausforderer, der PayPal Kundschaft abgräbt. Dass nun ausgerechnet Stripe zum Käufer werden will, kehrt das Kräfteverhältnis um: Der Angreifer könnte sich den einstigen Marktführer einverleiben. Ob die Aufsichtsbehörden eine solche Konzentration im Zahlungsverkehr zulassen, ist offen.