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Foto: WELT

Welt·21. Juli 2026

Mordanklage nach tödlichem Angriff auf britische Politikerin Ann Widdecombe

Ein 28-jähriger Brite ist wegen Mordes an der Brexit-Politikerin Ann Widdecombe angeklagt, die Polizei prüft einen möglichen politischen Hintergrund.

Die britische Anklagebehörde Crown Prosecution Service hat einen 28-jährigen Mann wegen Mordes an der Politikerin Ann Widdecombe angeklagt. Der Beschuldigte stammt aus Rotherham in der Grafschaft South Yorkshire und sollte am Dienstag vor dem Westminster Magistrates Court in London erscheinen. Die Ermittler prüfen dabei einen möglichen politischen oder terroristischen Hintergrund.

Widdecombe war am 9. Juli tot in ihrem Haus nahe dem Dartmoor-Nationalpark in Devon gefunden worden, einen Tag nachdem sie ein Fernsehinterview verpasst hatte. Die Polizei sprach von schweren Verletzungen und einem gezielten Angriff, machte zur Todesursache aber keine Angaben. Der Beschuldigte war am 11. Juli festgenommen worden. Während der Haft aufgetauchte Beweise führten zu einer zusätzlichen Festnahme wegen Terrorverdachts.

"Die Ermittlungen der Polizei zu den Motiven des Angeklagten dauern an, darunter auch die Prüfung eines möglichen politischen oder terroristischen Hintergrunds", sagte der zuständige Ankläger Frank Ferguson. Der Leiter der nationalen Antiterror-Polizei, Laurence Taylor, erklärte, angesichts des Profils der Getöteten und des gezielten Charakters der Tat bleibe ein mögliches politisches Motiv eine offene Ermittlungslinie. Die 78-Jährige hatte jahrzehntelang als konservative Abgeordnete im Unterhaus gesessen und später für Nigel Farages Brexit-Partei im Europäischen Parlament. Zuletzt war sie Sprecherin der Nachfolgepartei Reform UK.

Widdecombe vertrat ultrakonservative Positionen. Sie forderte die Wiedereinführung der Todesstrafe und sprach sich gegen die gleichgeschlechtliche Ehe aus. Der Angeklagte hat nach Angaben der Behörde das Recht auf ein faires Verfahren. Wie die Ermittler das mögliche Motiv einordnen, dürfte den weiteren Verlauf des Verfahrens bestimmen.

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Redaktionelle Einordnung

Widdecombe saß jahrzehntelang für die Konservativen im britischen Unterhaus und wechselte später zu Nigel Farages Brexit-Partei und deren Nachfolgerin Reform UK. Ihr gewaltsamer Tod reiht sich in eine Serie von Angriffen auf britische Abgeordnete ein, darunter die Morde an Jo Cox 2016 und David Amess 2021.

Um die Ecke gedacht

Großbritannien debattiert seit den Morden an Jo Cox und David Amess über den Schutz von Politikern und den Ton der öffentlichen Auseinandersetzung. Dass die Antiterror-Polizei den Fall übernommen hat, bevor ein Motiv feststeht, zeigt, wie schnell solche Taten heute unter dem Verdacht politischer Gewalt stehen.