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Foto: n-tv

Wirtschaft·15. September 2026

Klingbeil zieht bei möglicher Commerzbank-Übernahme durch UniCredit rote Linien

Finanzminister Klingbeil knüpft eine Übernahme der Commerzbank durch die italienische UniCredit an Bedingungen und pocht auf Sitz in Frankfurt und Jobgarantien.

Im Ringen um die Zukunft der Commerzbank zieht die Bundesregierung eine Grenze. Finanzminister Lars Klingbeil knüpfte eine mögliche Übernahme durch die italienische UniCredit an mehrere Bedingungen. Er äußerte sich nach einem ersten Treffen mit UniCredit-Chef Andrea Orcel in Berlin.

UniCredit greift seit Monaten nach dem Frankfurter Institut und hat sich über Aktienkäufe und Optionen einen Anteil von fast 50 Prozent gesichert. Innerhalb der Commerzbank wächst die Sorge vor dem Abbau tausender Stellen. Der Bund war nach der Finanzkrise bei der Bank eingestiegen und hält als zweitgrößter Aktionär noch gut zwölf Prozent.

„Wir erwarten, dass die Commerzbank eine börsennotierte Aktiengesellschaft mit Sitz in Frankfurt bleibt und ihr starkes Mittelstandsgeschäft fortsetzt“, erklärte Klingbeil. Die Bank müsse ihre Rolle bei der Finanzierung der deutschen Wirtschaft weiter erfüllen. Zugleich stellte sich der SPD-Chef und Vizekanzler hinter die mehr als 40.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Orcel sprach von einem guten und konstruktiven ersten Gespräch und kündigte weitere Treffen an. Beide Seiten wollten nun einen Weg finden, der den Interessen aller Anteilseigner gerecht werde.

Eine Entscheidung ist damit noch nicht gefallen. Als großer Anteilseigner kann der Bund eine Übernahme erheblich erschweren. Ob UniCredit die Bedingungen aus Berlin akzeptiert, dürften die nächsten Gespräche zeigen.

Perspektiven

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Der Staat ist hier Schiedsrichter und Mitspieler zugleich. Als zweitgrößter Aktionär will der Bund Jobs und Standort sichern, zugleich soll er den freien Kapitalmarkt nicht verzerren. Genau dieser Doppelrolle entspringt der Balanceakt zwischen Bedingungen stellen und Blockade vermeiden.

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Was fehlt

Wie viele Stellen bei einer Übernahme konkret wegfielen, nennt keine der Quellen. Auch UniCredits eigene Pläne für Standort und Beschäftigung bleiben über Orcels allgemeine Zusagen hinaus offen.

Redaktionelle Einordnung

Der Bund stieg 2008/09 zur Rettung der Commerzbank ein und hält seither einen bedeutenden Anteil. Eine Übernahme durch UniCredit wäre einer der größten grenzüberschreitenden Bankendeals in Europa seit Jahren und gilt in Berlin auch als Frage der wirtschaftlichen Souveränität.

Um die Ecke gedacht

UniCredit besitzt in Deutschland bereits die HypoVereinsbank; eine Übernahme der Commerzbank würde zwei der größten Institute des Landes unter italienischer Kontrolle vereinen. Dass der Bund seinen Rettungsanteil aus der Finanzkrise nie vollständig abbaute, verschafft ihm heute den entscheidenden Hebel.